Diagnostik und Behandlung komplexer dissoziativer Störungen

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Dissoziation - Was ist das?

Der Begriff "Dissoziation" kommt aus dem Lateinischen und bedeutet so viel wie "Trennung" oder "Zerfall". Im Bereich der klinischen Psychologie und Psychiatrie versteht man unter Dissoziation, dass normalerweise zusammengehörige Informationen, Wahrnehmungen, Gedanken etc. nicht miteinander in Verbindung gebracht werden können.

Zwei oder mehr mentale Inhalte oder Prozesse, die normalerweise miteinander in Verbindung stehen (z.B. Bilder eines Erlebnisses, dazugehörige Gefühle und im Gedächtnis gespeicherte Erfahrungen aus früheren Situationen), werden nicht miteinander in Beziehung gesetzt und dadurch nicht in Bewusstsein, Gedächtnis und/oder Selbstbild integriert. Hiervon können unterschiedliche mentale Inhalte wie z.B. Sinneseindrücke, Gedanken, Erinnerungen, Gefühle, Körperempfindungen, Handlungsimpulse oder Bewegungsabläufe betroffen sein.


Bandbreite dissoziativer Erfahrungen und Symptome

Dissoziative Phänomene können sehr unterschiedliche Formen annehmen und im Ausmaß stark variieren. In der Fachliteratur werden unterschiedliche Formen dissoziativer Erfahrungen daher oft auf einem Kontinuum angesiedelt, das von Alltagserfahrungen über kurzfristig auftretende Symptome unter Extrembelastung bis hin zu schweren chronischen Störungen reicht.

Dissoziative Reaktionen sind zunächst einmal eine völlig normale Form der Informationsverarbeitung. Dissoziative Alltagsphänomene treten je nach individueller Dissoziationsfähigkeit bei jedem Menschen mehr oder weniger häufig auf und werden normalerweise nicht als belastend oder unangenehm erlebt. Typische Beispiele sind die sogenannte "Autobahntrance", bei der man quasi "per Autopilot" fährt, automatisch auf die jeweilige Verkehrssituation reagiert, aber in Gedanken weit weg ist und kaum registriert, was während der Fahrt passiert, Mini-Erinnerungslücken, z.B. wenn man von einem Raum in den anderen geht und plötzlich nicht mehr weiß, was man dort wollte oder die Fähigkeit, z.B. bei einem Kinobesuch so stark in die Handlung abzutauchen, dass man kaum mitbekommt, was um einen herum passiert.

Unter Extrembelastung, z.B. während eines Autounfalls, kann es zu kurzfristigen dissoziativen Symptomen kommen, die weit über Alltagserfahrungen hinausgehen. In der Bedrohungssituation kann es zu einer extremen Stressreaktion kommen, die zu Veränderungen der Informationsverarbeitung im Gehirn führt. Durch diese veränderte Informationsverarbeitung können normalerweise zusammengehörige mentale Inhalte nicht miteinander in Zusammenhang gebracht werden, sondern bleiben weitgehend unverarbeitet nebeneinander stehen. Die Folge sind dissoziative Symptome wie z.B.Erinnerungslücken oder Entfremdungsgefühle in bezug auf die eigene Person oder die Umgebung. Die Symptome sind eine Sofort-Reaktion auf sehr belastende oder traumatische Erlebnisse und ermöglichen es der Person z.B., automatisiert zu reagieren oder das Erleben nicht mit der eigenen Person in Verbindung zu bringen. Die Situation wird so wahrgenommen, als passiere das gerade jemand anderem. Im weiteren Verlauf nimmt die Stressreaktion ab und das Gehirn versucht, das Erlebnis zu verarbeiten.

Gelingt die psychische Verarbeitung des Erlebnisses jedoch nicht oder kommt es zu weiteren Extrembelastungen, können sich chronische dissoziative Symptome und Störungen entwickeln. Als Kriterium für eine dissoziative Störung gilt, dass die Symptome häufig auftreten und/oder lange anhalten und von den Betroffenen nicht willentlich kontrolliert werden können. Hierdurch kann es zu erheblichen Beeinträchtigungen in wichtigen Lebensbereichen kommen (z.B. Probleme in der Schule oder am Ausbildungs- oder Arbeitsplatz oder in sozialen Beziehungen).


Formen dissoziativer Störungen

Auf den folgenden Seiten beziehen wir uns ausschließlich auf dissoziative Symptome, die unter Extrembelastung auftreten bzw. auf dissoziative Störungen im klinischen Sinne. Auslöser für diese Störungen sind fast immer einmalige oder wiederholte traumatische Erfahrungen.

Je nachdem, welche Funktionsbereiche hauptsächlich von der dissoziativen Reaktion betroffen sind, kann man zwischen verschiedenen Formen dissoziativer Störungen unterscheiden. In den internationalen Handbüchern für psychische Störungen werden folgende Arten von Störungen aufgeführt:


Dissoziative Amnesie Erinnerungslücken, die Zeiträume von Minuten bis zu Jahren umfassen können. Die Gedächtnislücken betreffen meist Erinnerungen an persönliche (meist hochgradig belastende oder traumatische) Erfahrungen, die sprachlich nicht ausgedrückt bzw. nicht vollständig im Bewusstsein gehalten werden können.
   
Dissoziative Fugue Ein plötzliches und ungeplantes Verlassen der gewohnten Umgebung (z.B. Wohnumfeld, Arbeitsplatz). Gleichzeitig sind die Betroffenen nicht in der Lage, sich an Teile bzw. die gesamte eigene Vergangenheit zu erinnern. Hinzu kommt Unsicherheit über die eigene Identität und/oder die Übernahme einer neuen Identität.
   
Dissoziative Identitätsstörung (DIS)
Nicht näher bezeichnete dissoziative Störung Typ I (engl.: dissociative disorder not otherwise specified, DDNOS)
Hauptmerkmal der DIS / DDNOS ist eine schwere Beeinträchtigung des Identitätserlebens. Durch chronische dissoziative Prozesse kommt es zur Abspaltung von dissoziierten Persönlichkeitsanteilen, die mehr oder weniger eigenständig reagieren können (vgl. auch Entstehung dissoziativer Störungen). Die dissoziierten Persönlichkeitsanteile werden von den Betroffenen häufig als nicht (DIS) oder nur bedingt (DDNOS) zur eigenen Persönlichkeit gehörend wahrgenommen und sie können auf innere oder äußere Hinweisreize hin die Kontrolle über das Erleben und Verhalten der Person übernehmen. Darüber hinaus zeigen Menschen mit DIS /DDNOS meistens auch ausgeprägte andere dissoziative Symptome wie z.B. Erinnerungslücken und Entfremdungserleben.
   
Depersonalisationsstörung Andauernde bzw. wiederkehrende Phasen, in denen die Betroffenen ein starkes Gefühl des Losgelöstseins oder der Entfremdung vom eigenen Selbst haben. typische Symptome sind z.B. das Gefühl, sich selbst wie von außen zu betrachten, Störungen der Körperwahrnehmung (z.B. einzelne Körperteile nicht spüren können oder das Gefühl, dass z.B. Arme oder Beine nicht zum eigenen Körper gehören), ein Mangel an Gefühlsreaktionen oder das Gefühl, die eigenen Handlungen bzw. die eigene Sprache nicht vollständig kontrollieren zu können.
Da Depersonalisationen bei vielen Menschen auftreten oder auch ein Begleitsymptom anderer psychischer Störungen sein können, ist eine genaue Diagnostik wichtig.
   
Dissoziative Störungen der Bewegung und Sinnesempfindung Veränderungen oder Verlust von Bewegungsfunktionen oder Sinnesempfindungen (z.B. Hören, Sehen, Tastsinn etc.), die nicht auf eine organische Ursache zurückzuführen sind.
   
 
 
 
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