Diagnostik und Behandlung komplexer dissoziativer Störungen

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Wie zeigt sich eine schweren dissoziativen Störung (DIS oder DDNOS)?

Das Kernmerkmal einer DIS bzw. einer DDNOS ist das Vorliegen dissoziierter Persönlichkeitsanteile, die wechselseitig die Kontrolle über das Erleben und Verhalten der Betroffenen übernehmen.

Bei den Persönlichkeitsanteilen handelt es sich nicht um "verschiedene Personen", die sich einen Körper "teilen", sondern um Anteile der Gesamtpersönlichkeit, die durch anhaltende, weitreichende dissoziative Prozesse voneinander abgetrennt sind. Im Laufe der Zeit haben diese Anteile eine Art "Eigenleben" entwickelt und sind jetzt in der Lage, mehr oder weniger eigenständig die Kontrolle zu übernehmen (vgl. auch Entstehung dissoziativer Störungen).

Diese Anteile können sich in bezug auf (subjektiv erlebtes) Alter und Entwicklungsstand, Verhaltensweisen, Bedürfnisse, Gefühle, Vorlieben und Interessen etc. z.T. sehr stark unterscheiden, wodurch bei Wechseln des dominanten Anteils deutliche Veränderungen und Brüche im Verhalten entstehen können.

In vielen Fällen wissen die Betroffenen am Anfang der Behandlung nichts von der Existenz der dissoziierten Persönlichkeitsanteile und schließen diese Möglichkeit strikt aus, auch wenn es offensichtliche Hinweise auf die Handlungen anderer Anteile gibt. In anderen Fällen wissen einige Anteile von der Existenz der anderen Anteile, können vielleicht sogar deren Aktivitäten "beobachten", während andere Anteile Gedächtnislücken für Phasen aufweisen, in denen andere Anteile aktiv waren. Bei einer DDNOS schließlich ist es häufig so, dass alle Anteile von der Existenz der anderen Anteile wissen und auch deren Handlungen verfolgen können. Sie sind jedoch nicht oder nur mit sehr großer Mühe in der Lage, das Verhalten anderer Anteile zu beeinflussen. Häufig beschriebene Hinweise auf ein mögliches Vorliegen dissoziierter Persönlichkeitsanteile sind z.B.:

  • häufige Gedächtnislücken im Alltag

  • plötzlich feststellen, dass man dabei ist, etwas zu tun (z.B. Wohnung putzen, Auto fahren, sich mit jemandem unterhalten), ohne sich dessen bewusst gewesen zu sein

  • sich plötzlich an einem Ort wiederfinden, ohne sich erinnern zu können, wie man dorthin gekommen ist

  • von anderen über Dinge berichtet bekommen, die man z.B. am Vortag gemacht hat, ohne sich selbst daran erinnern zu können

  • Dinge im eigenen Besitz finden, die man selbst angeschafft haben muss, ohne sich jedoch daran erinnern zu können

  • auffallende Wechsel in Kenntnissen oder Fähigkeiten

Viele Betroffene berichten auch über innere Stimmen oder als nicht zu sich selbst gehörig erlebte Gedanken oder Gefühle. Diese werden mit inneren Aktivitäten der dissoziierten Persönlichkeitsanteile zu Zusammenhang gebracht. Auch andere dissoziative Symptome wie z.B. Entfremdungserleben oder körperliche Symptome ohne organische Ursache werden häufig beschrieben.


Neben diesen primär dissoziativen Symptomen berichten viele Menschen mit schweren dissoziativen Symptomen auch über andere Formen von psychischen Problemen und Symptomen. Häufig genannte Begleit-Symptome sind z.B.

  • Depressionen

  • Angstzustände

  • posttraumatische Symptome

  • Probleme im Umgang mit Gefühlenund Handlungsimpulsen

  • Probleme in sozialen Beziehungen

  • Tendenz zu selbstschädigendem Verhalten

  • Suchtprobleme

Alle diese Symptome können auf eine schwere dissoziative Störung hindeuten, müssen es jedoch nicht. Daher ist eine genaue diagnostische Untersuchung wichtig!

   
 
 
 
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