Diagnostik und Behandlung komplexer dissoziativer StörungenInformationen für Betroffene und Interessierte
home Behandlungsphase III: Integration und NeuorientierungDie Verarbeitung eines Traumas ist gerade bei lang anhaltenden Traumatisierungen i.A. nach der Durchführung einer Traumakonfrontation noch nicht abgeschlossen. Meistens folgt eine längere Phase der Auseinandersetzung mit dem Geschehen und mit der eigenen Geschichte, die Phase der Integration und Neuorientierung. Bei einer DIS / DDNOS tritt nach der Bearbeitung der wichtigsten Traumatisierungen die eigentliche Hauptaufgabe der Dissoziation in mehrere Persönlichkeitsanteile, die ja ursprünglich als Schutz gegenüber überwältigenden traumatischen Erinnerungen geschaffen wurden, mehr und mehr in den Hintergrund. Ist diese Stufe erreicht, wird eine zunehmende Integration der dissoziierten Persönlichkeitsanteile möglich. Integration bedeutet, dass die dissoziativen Barrieren zwischen den verschiedenen Persönlichkeitsanteilen mehr und mehr abgebaut werden, so dass die Anteile innerlich quasi immer näher "zusammenrücken" und ihre charakteristischen Eigenschaften, Kenntnisse, Erinnerungen, Gefühle und Wesensmerkmale zunehmend miteinander teilen. Diese innere Annäherung verläuft meist langsam und schrittweise, bis die Anteile allmählich miteinander "verschmelzen" und zu einer Gesamtidentität zusammenwachsen. Dabei bleiben alle früheren Fähigkeiten und Eigenschaften der einzelnen Anteile erhalten. Nach der Integration bilden sie die Grundlage der bei allen Menschen beobachtbaren mehr oder weniger unterschiedlichen Seiten einer Gesamtpersönlichkeit. Wichtige weitere Themenschwerpunkte in der Phase 3 der Behandlung sind die Akzeptanz der Vergangenheit, die Aussöhnung mit sich selbst sowie Trauer um erlittene Verluste. Gerade Menschen, die bisher an einer DIS bzw. DDNOS gelitten haben, müssen sich zudem nach der Integration der Persönlichkeitsanteile meistens zunächst an ein verändertes Selbsterleben gewöhnen und müssen häufig auch noch einmal neue Bewältigungsstrategien erarbeiten, um als "eine Person" funktionieren zu können. Letztendlich zielt die Behandlung darauf ab, dass die Traumatisierungen mehr und mehr in den Hintergrund treten und nicht mehr Ihren Alltag bestimmen. Dann kann man den Blick nach vorn richten und sich zunehmend ein neues Leben nach eigenen Wünschen und Vorstellungen aufbauen und genießen. Die psychotherapeutische Behandlung schwerer dissoziativer Störungen ist ein langer und ein schwerer Weg und es erfordert viel Mut, sich der eigenen Vergangenheit zu stellen. Sie ist jedoch ein lohnender Weg, der Ihnen viele neue Möglichkeiten und Wege eröffnen kann! |
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