Diagnostik und Behandlung komplexer dissoziativer Störungen

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Behandlung komplexer dissoziativer Störungen

Menschen mit komplexen dissoziativen Störungen leiden häufig unter einer Vielzahl von psychischen Symptomen, die zu erheblichen Beeinträchtigungen im Alltag führen können.

Trotz der oft erheblichen Beeinträchtigungen und des Schweregrads der Störungen sind die DIS und die DDNOS gut behandelbar und die Prognose gilt bei einer spezifisch auf das Störungsbild und den Einzelfall zugeschnittenen Behandlung bei einem Großteil der Betroffenen als günstig. Vielen Betroffene können also bei einer optimalen Behandlung eine erhebliche Reduktion ihrer Symptome bis hin zur vollständigen Integration der dissoziierten Persönlichkeitsanteile erreichen.

Kernelement der Behandlung einer schweren dissoziativen Störung ist eine ambulante Einzelpsychotherapie. In manchen Fällen kann es zusätzlich sinnvoll sein, zeitweise auch eine unterstützende Zusatzbehandlung mit Medikamenten durchzuführen. Manchmal sind auch einzelne oder wiederholte (meist kürzere) stationäre Behandlungen zur Krisenintervention in einer psychosomatischen oder psychiatrischen Klinik notwendig.

Manche KlientInnen profitieren auch sehr von sogenannten Intervall-Therapien. Das bedeutet, dass die KlientIn in regelmäßigen Abständen für zeitlich befristete Therapie-Intervalle in einer (meist spezialisierten, psychotherapeutischen) Klinik aufgenommen wird, um intensiv an vorab geplanten Fragestellungen zu arbeiten. Im Anschluss daran wird die Therapie über mehrere Monate ambulant fortgesetzt, bis sich (in der Praxis meist etwa einmal im Jahr) das nächste stationäre Behandlungsintervall anschließt. Voraussetzung für eine erfolgreiche Intervall-Therapie ist eine gute Zusammenarbeit zwischen der ambulanten PsychotherapeutIn und der jeweiligen Klinik, da das therapeutische Vorgehen sowie Therapieinhalte und Fragestellungen in den ambulanten und stationären Behandlungsphasen aufeinander abgestimmt sein sollten.

Andere mögliche ergänzende Behandlungselemente sind z.B. ambulante Gruppentrainings oder Stabilisierungsgruppen, die Einbeziehung von PartnerIn bzw. Kindern oder anderen wichtigen Bezugspersonen in die Behandlung (Paar- oder Familientherapie) oder auch nicht-sprachliche Therapieformen (z.B. Kunsttherapie, Tanztherapie, Musiktherapie etc.).


Ambulante Psychotherapie

Die ambulante Psychotherapie ist das Kernelement der Behandlung schwerer dissoziativer Störungen. Die Behandlung ist als Langzeitbehandlung angelegt und verläuft in den meisten Fällen über mehrere Jahre.

Am häufigsten werden tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie oder kognitive Verhaltenstherapie eingesetzt. Diese Methoden werden häufig durch zusätzliche trauma-spezifische Techniken ergänzt (z.B. hypnotherapeutische Techniken, Imaginationsübungen, Reorientierungstechniken, EMDR, Dialektisch-Behaviorale Therapie).

Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Psychotherapie ist eine gute und vertrauensvolle Beziehung zwischen TherapeutIn und KlientIn.


In der Behandlung von posttraumatischen Störungen, so auch bei den schweren dissoziativen Störungen wird heute fast immer mit einem Phasenorientierten Behandlungsansatz gearbeitet. Das bedeutet, dass je nach Behandlungsfortschritt unterschiedliche Inhalte im Vordergrund der Therapie stehen. Dabei kann man allgemein zwischen drei Hauptphasen unterschieden:


Diese drei Phasen stehen jedoch nicht isoliert und klar voneinander abgegrenzt nebeneinander, sondern in der Praxis gibt es zu unterschiedlichen Zeitpunkten in der Behandlung unterschiedliche Schwerpunktsetzungen in der Therapie. Meist gibt es darüber hinaus fließende Übergänge und viele Überlappungen zwischen verschiedenen Behandlungsphasen (z.B. wenn man nach einer intensiven Phase der Traumabearbeitung oder bei akuten äußeren Belastungen in einer fortgeschrittenen Therapiephase zunächst wieder für einige Zeit stärker stabilisierend arbeitet, damit die Therapie nicht zu belastend wird).


Ein Großteil der Trauma-Arbeit ist keine unmittelbare Auseinandersetzung mit Inhalten des Traumas!


Therapie-Indikation: Wann ist eine (ambulante) Traumatherapie sinnvoll?

  • Wenn man in der Vergangenheit mit traumatischen Situationen ausgesetzt war und diese bislang nicht ausreichend verarbeiten konnte, so dass das/die Traumata auch heute noch zu starken Beeinträchtigungen im Alltag und zu typischen posttraumatischen Symptomen und Störungen führen

  • Wenn aktuell die äußeren Lebensumstände einigermaßen sicher sind und wenn aktuell keine neuen Traumatisierungen mehr erfolgen

Kontra-Indikationen: Wann sollte man keine Traumatherapie machen?

  • Wenn man akut selbstmord-gefährdet ist, an schwerem Substanzmissbrauch oder an einer akuten psychotischen Episode leidet, ist zunächst eine kriseninterventorische psychiatrische Behandlung notwendig. Wenn es danach zu einer deutlichen psychischen Stabilisierung gekommen ist, ist eine ambulante oder stationäre Traumatherapie jedoch in vielen Fällen sinnvoll und möglich.

  • Wenn bei jemandem gerade eine akute schwere körperliche Erkrankungen (z.B. schwere Infektions- oder Organerkrankungen, Krebs, schwere Verletzungen nach einem Unfall etc.) festgestellt wurde, muss zunächst einmal diese behandelt werden, um körperlich wieder in einen einigermaßen stabilen Zustand zu gelangen. Währenddessen kann in manchen Fällen eine unterstützende psychotherapeutische Begleitung sehr sinnvoll sein. Eine aufdeckende psychotherapeutische Behandlung sollte jedoch erst nach einer körperlichen Stabilisierungsphase angedacht werden

  • Auch bei schweren akuten Belastungssituationen (z.B. Trennungssituation, schwere Erkrankung eines nahen Angehörigen o.ä.) sollte man erst die äußeren Belastungen abbauen und bewältigen, bevor man sich zusätzlichen inneren Belastungen zuwendet.

  • Wenn jemand schwere Probleme bei der sozialen Situation (Arbeits- und Wohnsituation, Lebensunterhalt etc.) hat, sollte es ebenfalls der erste Schritt sein, diese wieder in den Griff zu bekommen.

  • Wenn man auch aktuell noch neuen Traumatisierungen ausgesetzt ist (z.B. körperliche oder sexuelle Gewalt in der Familie) oder wenn noch Kontakt zu Täterkreisen besteht, ist ausschließlich eine stabilisierende Behandlung möglich. Das Ziel sollte dabei u.a. sein, zu lernen, neue Traumatisierungen zu unterbinden und sich von den Täter (-kreisen) zu lösen.

Wann ist eine stationäre Therapie sinnvoll?

Es gibt sehr viele verschiedene Gründe oder Motivationen, eine stationäre Psychotherapie zu machen, z.B.

  • als Vorbereitung bzw. als Einstieg in eine ambulante Therapie z.B. zur Regeneration bei Erschöpfungszuständen, zur Entgiftung, zur Ressourcenaktivierung

  • bei akuten Krisen, wenn dissoziative oder posttraumatische Symptome zu überwältigend werden oder außer Kontrolle geraten

  • wenn Suizidgedanken oder Selbstverletzungsimpulse so überwältigend werden, dass man sie nicht mehr sicher kontrollieren kann oder wenn die Gefahr besteht, dass man durch das eigene Verhalten andere Menschen ernsthaft gefährdet oder schädigt

  • wenn die aktuelle Konfliktsituation während einer Krise so festgefahren ist, dass sie kaum lösbar erscheint und wenn der Eindruck besteht, dass durch einen Kliniksaufenthalt und dem damit verbundenen Abstand eine deutliche Entlastung und Entspannung der Situation erreicht werden kann

  • in manchen Fällen zur Regeneration bei KlientInnen, die unter Mehrfachbelastung stehen (z.B. Haushalt, Beruf, Kinderbetreuung parallel zur ambulanten Traumatherapie)

  • um unter geschützten Bedingungen neue Bewältigungsstrategien für bestimmte Probleme zu erlernen, wenn dies ambulant nicht möglich ist

  • im Rahmen einer Intervalltherapie, um z.B. unter geschützten Bedingungen geplante intensive Traumabearbeitungen durchzuführen

Es gibt keine "Pauschalrezepte" für sinnvolle Behandlungsansätze und -verläufe. Sie sollten daher immer die verschiedenen Möglichkeiten mit Ihrer behandelnden TherapeutIn oder ÄrztIn besprechen und gemeinsam mit ihm / ihr unter Berücksichtigung Ihrer Symptome, dem klinischen Verlauf sowie Ihrer gesamten aktuellen Lebenssituation nach der zum jeweiligen Zeitpunkt besten Lösung für Sie persönlich suchen.

   
 
 
 
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