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Nicht Näher Bezeichnete Dissoziative Störung (engl: dissociative disorder not otherwise specified, DDNOS)

Bei der DDNOS ist das vorherrschende Merkmal ein dissoziatives Symptom, also eine Störung der normalerweise integrativen Funktionen des Bewusstseins, des Gedächtnisses, der Identität oder der Wahrnehmung der Umgebung, welches jedoch die Diagnosekriterien für eine spezifische Dissoziative Störung nicht oder nicht vollständig erfüllt.

Typische Beispiele für DDNOS sind nach dem DSM-IV
  • Fälle, die der DIS ähneln, bei denen jedoch nicht alle Diagnosekriterien erfüllt sind (z.B. wenn sich keine eindeutig abgrenzbaren Teilpersönlichkeiten nachweisen lassen oder wenn klinisch relevante Amnesien für wichtige persönliche Informationen fehlen) (Typ I),

  • Fälle von Derealisation ohne begleitende Depersonalisation (Typ II)

  • Zustände von Dissoziation bei Personen, die einem langen und intensiven Prozess von Zwangsmaßnahmen zur Veränderung von Einstellungen ausgesetzt waren (z.B. "Gehirnwäsche", Gedankenbeeinflussung oder Indoktrination in Gefangenschaft)(Typ III),

  • Dissoziative Trancestörung (Typ IV; einzelne oder wiederkehrende Phasen von eingeschränkter Bewusstheit von unmittelbaren Umgebungsbedingungen oder stereotypes Verhalten oder Bewegungen, die als außerhalb der eigenen Kontrolle erlebt werden. Besessenheitstrance beinhaltet das Ersetzen der normalen Erfahrung persönlicher Identität durch eine neue Identität, die auf den Einfluss eines Geistes, einer Macht, einer Gottheit oder einer anderen Person zurückgeführt wird und mit stereotypen "unwillkürlichen" Bewegungen oder Amnesie verbunden ist. Trance-Zustände haben einen festen Platz in zahlreichen Kulturen / Religionen. Die Dissoziative Trance-Störung wird daher nicht diagnostiziert, wenn die Trance-Zustände als normaler Teil akzeptierter kollektiver, kultureller oder religiöser Praktiken auftreten. Dies ist bei der differentialdiagnostischen Bewertung von Symptomen zu berücksichtigen.

  • Bewusstseinsverlust, Stupor oder Koma, die nicht auf körperliche Krankheiten zurückgeführt werden können (Typ V)

  • Ganser-Syndrom (Typ VI; das Geben von annäherungsweise richtigen Antworten auf Fragen (z.B. "2 plus 2 ist 5"), wenn dies nicht mit einer Dissoziativen Amnesie oder Dissoziativen Fugue einhergeht.)


Die DDNOS gilt als die am häufigsten diagnostizierte Art der dissoziativen Störung. Besonders hervorzuheben sind die als DDNOS klassifizierten Störungsbilder vom Typ I. Hierbei handelt es sich um Störungsbilder, die der Dissoziativen Identitätsstörung (DIS) ähneln, bei denen die alternativen Persönlichkeitsanteile jedoch nur teilweise dissoziiert sind. DIS und DDNOS Typ I werden daher teilweise unter der Bezeichnung "komplexe Dissoziative Störungen" zusammengefasst (vgl. auch Klassifikationssystem nach Dell).

Typische Ausdrucksweisen teilabgespaltener Persönlichkeitsanteile sind z.B. die häufig beschriebenen Pseudo-Halluzinationen bei hoch-dissoziativen KlientInnen (z.B. das Hören innerer Stimmen) oder als ich-fremd erlebte Gefühle, Emotionen oder Gedanken.

KlientInnen mit einer DDNOS vom Typ I berichten darüber hinaus häufig, dass die verschiedenen Persönlichkeitsanteile cobewusst seien, dass sie also jeweils verfolgen könnten, was gerade geschehe, wenn ein anderer Anteil die Kontrolle innehabe, dass sie jedoch das Geschehen nicht ohne weiteres beeinflussen könnten. Amnesien treten dementsprechend bei KlientInnen mit DDNOS Typ I erheblich weniger auf als bei KlientInnen mit DIS. Häufig werden alternative Persönlichkeitsanteile von DDNOS-KlientInnen auch (anders als bei der DIS) zwar als "fremd" und "anders" erlebt, viele Betroffene nehmen sie jedoch trotzdem grundsätzlich als Teil ihrer eigenen Gesamtpersönlichkeit wahr.

   
 
 
 
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