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home Klassifikation Dissoziativer Störungen nach Paul DellIm Zusammenhang mit der zu erwartenden Neubearbeitung des DSM kam es zu einer Diskussion über die Diagnosekriterien für dissoziative Störungen, da die bisherigen Kriterien die Kernsymptomatik der komplexen dissoziativen Störungsbilder nur unzureichend abbilden. Kritikpunkte waren dabei vor allem bei der DIS eine geringe Inhalts-Validität und Reliabilität der Kriterien und eine einseitige Fixierung der Diagnosekriterien auf das Merkmal der wechselseitig die Kontrolle übernehmenden Persönlichkeitsanteile, während andere empirisch gut belegte Symptome (z.B. Depersonalisation, Derealisation, Trance-Zustände, Schneider´sche 1st Rank Symptome, somatoforme oder posttraumatische Symptome etc.) bei der Diagnosestellung außer acht gelassen werden. Die Diagnose-Kriterien seien darüber hinaus zu allgemein und unpräzise formuliert. Insbesondere fehlten konkrete Richtlinien dafür, woran das Vorhandensein bzw. die Aktivitäten solcher Teilpersönlichkeiten im Alltag zu erkennen sind. Durch diese geringe klinische Praktikabilität und "Benutzerfreundlichkeit" der bisherigen Kriterien steige das Risiko für Fehldiagnosen. Die wenig transparente Diagnosefindung führe zudem es zu einer unnötigen "Mystifizierung" des Störungsbildes, da nicht offensichtlich ist, auf welchen konkret beobachtbaren Kriterien die Diagnose basiert (Dell, P.F. (2001). Why the diagnostic criteria for dissociative identity disorder should be changed. Journal of Trauma and Dissociation 2, 7-37.). Auch die Kategorie DDNOS wurde aufgrund der großen Heterogenität der erfassten Störungsbilder kritisiert. Insbesondere wurde vorgeschlagen, die Typ-I Formen aus der Kategorie DDNOS herauszulösen und sie gemeinsam mit der DIS als Unterformen einer sogenannten "Major Dissociative Disorder" zu kategorisieren. Als Alternative zu den unbefriedigenden DSM-IV Diagnosekriterien erarbeitete Paul Dell auf der Basis der Ergebnisse zahlreicher Studien zum klinischen Erscheinungsbild Dissoziativer Störungen ein sehr umfassendes operationalisiertes neues Diagnosekonzept, das die Gesamtbreite der dissoziativen Symptomatik umfasst (Dell, P.F. (2001). Why the diagnostic criteria for dissociative identity disorder should be changed. Journal of Trauma and Dissociation 2, 7-37.). Die verschiedenen Symptome können danach drei Hauptgruppen zugeordnet werden:
Alle Kriterien sind konkret und alltagsnah formuliert. Die vollständige Liste der Diagnosekriterien können Sie hier als pdf-Datei herunterladen. Aufbauend auf diesen Kriterien nimmt Dell (2001, 2003) eine Neugruppierung der Störungsbilder vor und präsentiert konkrete Richtlinien für die Differentialdiagnostik. Er unterscheidet dabei zwischen "Einfachen Dissoziativen Störungen", der "Generalisierten", der "Schweren bzw. Komplexen " und der "Nicht Näher Bezeichneten Dissoziativen Störung" .
"Einfache Dissoziative Störungen" zeichnen sich durch eng umschriebene dissoziativer Symptome aus. Es treten Symptome in einem oder maximal zwei Funktionsbereichen auf. Eine Identitätsspaltung liegt nicht vor. Je nach vorliegender Symptomatik können verschiedene Unterformen unterschieden werden (z.B. Amnesie, Depersonalisation, Trance oder Flashbacks). Unter diese Kategorie fallen die DSM-IV-Störungen Dissoziative Amnesie, Fugue, Depersonalisationsstörung und die Nicht näher bezeichnete Dissoziative Störung Typ II (Derealisation ohne begleitende Depersonalisation). Die "Generalisierte Dissoziative Störung" wird bei PatientInnen diagnostiziert, die eine breit gefächerte dissoziative Symptomatik aufweisen (mindestens vier A-Symptome), bei denen jedoch keine dissoziative Persönlichkeitsspaltung vorliegt (keine B- oder C-Symptome). Nach Dell (2001) trifft dies z.B. auf eine Untergruppe von PatientInnen mit Posttraumatischer Belastungsstörung (PTB) zu. Im DSM-IV ist keine spezifische Diagnosekategorie für diese Kombination dissoziativer Symptome vorgesehen. "Komplexe Dissoziativen Störungen" zeichnen sich durch eine breit gefächerte einfache dissoziative Symptomatik (A-Symptome ohne Beeinträchtigung des Identitätserlebens wie z.B. Depersonalisation, Derealisation, Trance-Zustände) sowie durch das Vorliegen abgespaltener Persönlichkeitsanteile aus. Darüber hinaus ist auch das Identitätserleben beeinträchtigt. Dell (2001) fasst die DIS und die DDNOS Typ I nach DSM-IV als Unterformen der Komplexen Dissoziativen Störung zusammen. Liegen klare Anzeichen für teil-dissoziierte Handlungen von Persönlichkeitsanteilen (B-Symptome), nicht jedoch für das Vorliegen voll abgespaltener Anteile (C-Symptome) vor, wird die Diagnose einer Komplexen Dissoziativen Störung - Teilabspaltung gestellt. Diese überschneidet sich weitgehend mit der Kategorie DDNOS Typ I des DSM-IV. Berichtet die KlientIn auch über klare Hinweise auf das vorliegen voll-dissoziierter Aktionen von dissoziierten Persönlichkeitsanteilen (C-Symptome erfüllt), wird die Diagnose einer Komplexen Dissoziativen Störung - Voll-abgespaltene Persönlichkeitsanteile gestellt. Diese Unterform entspricht weitgehend der DSM-Kategorie DIS. Schließlich umfasst auch die Dell-Klassifikation eine Restkategorie für "Nicht Näher Bezeichnete Dissoziative Störungen". Die Unterformen dieser Kategorie entsprechen weitgehend den Typen III, V und VI der entsprechenden DSM-Kategorie. Aufbauend auf diesem neuen Klassifikationskonzept entwickelte Dell das Multidimensionale Inventar dissoziativer Symptome (MID), das eine standardisierte (Differential-) Diagnostik dissoziativer Störungen nach dem neuen Konzept ermöglicht. . |
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