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Standardisierte Messinstrumente für die Posttraumatische Belastungsstörung (PTB)

In den letzten Jahren wurden mehrere standardisierte Messinstrumente zum Screening und zur (Differential-) Diagnostik der Posttraumatischen Belastungsstörung entwickelt. Da viele KlientInnen mit schweren Dissoziativen Störungen auch komorbide posttraumatische Symptome bzw. eine komorbide einfache oder komplexe PTB aufweisen, ist der Einsatz der PTB-Skalen auch bei hoch-dissoziativen KlientInnen häufig hilfreich und wichtig, um einen Eindruck über das Ausmaß der posttraumatischen Symptomatik zu bekommen.



Screening-Skalen für die PTB

Impact of Event Scale (IES-R)

Die deutsche Bearbeitung der Impact of Event Scale (revidierte Fassung) von Horowitz et al. ist eine der am häufigsten eingesetzten Screening-Skalen für posttraumatische Symptome. Neben dem Screening auf eine PTB wird die IES-R häufig auch im Rahmen von Verlaufskontrollen, z.B. bei EMDR-Behandlungen, eingesetzt.

Die IES-R erfasst die Häufigkeit posttraumatischer Symptome. Die Skala gibt 22 typische posttraumatische Symptome (Wiedererleben des traumatischen Ereignisses, Vermeidungsverhalten, psychophysiologische Übererregung) vor. Die Befragten schätzen auf einer Rating-Skala (0 = nie bis 5 = oft) ein, wie häufig die vorgegebenen Symptome während der letzten Woche jeweils bei ihnen aufgetreten sind. Hieraus können Subskalen-Werte für die drei oben genannten Symptomgruppen sowie ein Gesamtmaß für den Schweregrad der posttraumatischen Symptomatik ermittelt werden.

Anhand eines Cutoff-Wertes kann überprüft werden, ob der Verdacht auf eine voll ausgeprägte PTB besteht. In diesem Fall sollte eine weitere differentialdiagnostische Abklärung, z.B. unter Einsatz von diagnostischen Interviews (s.u.), erfolgen.


Bezugsquelle:

Der Fragebogen sowie eine Testbeschreibung und Auswertungsanweisungen können auf den Webseiten des Testautors bei der Abteilung Klinische Psychologie und Psychosomatik der Universität Trier heruntergeladen werden.



Posttraumatische Stress Skala (PTSS-10)

Die PTSS-10 ist ein kurzes Screening-Instrument für die PTB und basiert auf den Diagnosekriterien des DSM-III-R. Die Skala wurde 1989 Weisaeth entwickelt und von Prof. A. Maercker ins Deutsche übersetzt.

Die Skala umfasst 10 Items, die typische Beispiele posttraumatischer Symptome (Wiedererleben, Vermeidung, Arousal) vorgeben. Die Befragten schätzen jeweils auf einer 4er-Skala (0 = überhaupt nicht bis 3 = oft) ein, wie sehr sie während der letzten sieben Tage unter den vorgegebenen Symptomen litten.

Durch Aufaddieren der Item-Scores wird der PTSS-10-Gesamtwert errechnet, der einen Überblick über die aktuelle Symptombelastung gibt. Maercker gibt einen Cutoff-Wert für die Verdachtsdiagnose einer PTB vor.


Bezugsquelle

Der Fragebogen sowie eine Testbeschreibung und Auswertungsanweisungen können auf den Webseiten des Testautors bei der Abteilung Klinische Psychologie und Psychosomatik der Universität Trier heruntergeladen werden.



Posttraumatische Diagnoseskala (PDS)

Die PDS ist ein Screening-Instrument für die PTB, die auf den aktuellen DSM-IV-Kriterien für die PTB basiert und von der amerikanischen Traumatherapeutin Edna Foa entwickelt wurde. Die deutsche Übersetzung der PDS wurde von Steil, Ehlers und Winter erarbeitet.

Die PDS besteht aus drei Teilen. Im ersten Teil wird erfragt, ob die ProbandInnen irgendwann in ihrem Leben eines oder mehrere von 12 vorgegebenen Arten von potentiell traumatischen Erlebnissen gemacht haben. Für das subjektiv belastendste dieser Erlebnisse wird eingeschätzt, ob dieses die DSM-Kriterien für ein Trauma (reale Gefährdung von körperlicher Unversehrtheit bzw. des eigenen Lebens oder der körperlichen Unversehrtheit / des Lebens anderer Personen; Angst vor schwerer Verletzung oder Tod; in der konkreten Situation Gefühl von großer Angst, Panik und/oder Hilflosigkeit) erfüllt.

Die anschließenden 17 Symptomfragen sollen in bezug auf das subjektiv belastendste Lebensereignis beantwortet werden und gegen die entsprechenden DSM-IV-Kriterien für die PTB vor. Abschließend wird nach dem Verlauf der Symptomatik sowie nach dem Grad der Beeinträchtigung in wichtigen Lebensbereichen gefragt.

Die Auswertung bezieht sich primär auf Teil B des Fragebogens (Symptomfragen). Aus den Itemscores können durch Aufaddieren Subskalenscores für die Symptomgruppen Wiedererleben, Vermeidung / emotionale Distanzierung und Arousal errechnet werden. Der Gesamtscore (Summe der Itemscores) liefert ein Gesamtmaß für den Schweregrad der Posttraumatischen Symptomatik. Anhand eines Cutoff-Wertes kann geprüft werden, ob der Verdacht auf eine klinisch relevante PTB vorliegt.

Steil, R. & Ehlers, A. (2000). Posttraumatische Diagnoseskala. Universität Jena, Psychologisches Institut.

Diagnostische Interviews für die Posttraumatische Belastungsstörung

Die meisten gängigen diagnostischen Interviews für Achse-I-Störungen (z.B. SKID-I von Spitzer et al. oder DIPS / Mini-DIPS von Margraf et al.) enthalten bei den Fragen zu Angststörungen Abschnitte zur Diagnostik und Differentialdiagnostik für die Posttraumatische Belastungsstörung, die eine genaue Erfassung von Art und Ausmaß vorliegender posttraumatischer Symptome sowie eine differential-diagnostische Einschätzung erlauben, ob eine voll ausgeprägte PTB vorliegt.

Alle veröffentlichten gängigen diagnostischen Interviews für Achse-I- und Achse-II-Störungen können über die Testzentrale des Hogrefe-Verlags bezogen werden.



Interview zur Diagnostik der Komplexen posttraumatischen Belastungsstörung (IK-PTBS)

Problematisch an den genannten Interviews (wie auch an den oben vorgestellten Screeningbögen) ist, dass sie sich primär zur Erfassung der "einfachen" PTB, wie sie häufig als Folge von einmaligen Traumatisierungen auftritt, eignen. Bei KlientInnen mit schweren dissoziativen Störungen liegen jedoch meist sogenannte Typ-II-Traumata vor, also wiederholte schwere Traumatisierungen, meist beginnend ab der frühen Kindheit. Dementsprechend zeigen die KlientInnen meist eher das Bild der sogenannten Komplexen Posttraumatischen Belastungsstörung oder der Disorder of Extreme Stress not otherwise specified (DESNOS) nach dem Konzept von Judith Herman (siehe "Die Narben der Gewalt, 2003, Paderborn: Junfermann; Originalveröffentlichung unter dem Titel "Trauma and Recovery" 1993). Das sehr viel breitere und unspezifischere Symptomspektrum der DESNOS kann mit den bisher genannten Interviews nicht erfasst werden

Die Arbeitsgruppe um Bessel van der Kolk entwickelte mit dem Structured Clinical Interview for Disorder of Extreme Stress (SIDES) ein diagnostisches Interview, das speziell das charakteristische Symptomspektrum der DESNOS erfasst und eine entsprechende Diagnosestellung ermöglicht. Inzwischen wurde das SIDES von PD M. Sack von der Arbeitsgruppe Psychotraumatologie der Abteilung Psychosomatik und Psychotherapie der Medizinischen Hochschule Hannover übersetzt.

Das Interview erfasst Symptome aus den Bereichen Störungen der Affekt- und Impulskontrolle und Regulierung incl. Selbstschädigendes Verhalten, Störungen der Wahrnehmung und des Bewusstseins, Störungen der Selbstwahrnehmung, Beziehungsstörungen, Somatisierungen und Veränderungen von zentralen Lebenseinstellungen und Zukunftsperspektiven.


Bezugsquelle:

Das Interview zur Diagnostik der Komplexen Posttraumatischen Belastungsstörung (IK-PTBS) sowie eine Auswertungsanleitung sind vollständig abgedruckt bei: Huber, M. (2003). Trauma und die Folgen Bd. 1; Paderborn: Junfermann.

   
 
 
 
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