Diagnostik und Behandlung komplexer dissoziativer Störungen

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Formen dissoziativer Störungen

Dissoziative Störungen sind durch eine Störung der normalerweise integrativen Funktionen von Gedächtnis, Bewusstsein, Identität und/oder der Wahrnehmung von sich selbst und der Umwelt gekennzeichnet (Saß, Wittchen & Zaudig, 1996).

Je nachdem, welche Funktionsbereiche primär beeinträchtigt sind, können nach dem Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders (DSM) der American Psychiatric Association (APA) (DSM-IV: APA, 1994, deutsche Ausgabe von Saß, Wittchen & Zaudig, 1996; DSM-IV-TR: APA, 2000) unter der Kategorie "Dissoziative Störungen" folgende Störungsbilder unterschieden werden:

Die International Classification of Diseases (ICD-10) der Weltgesundheitsorganisation (WHO, deutsche Ausgabe von Dilling, Mombour & Schmidt, 1993) weicht an mehreren Stellen von der DSM-Klassifikation ab. Der wichtigste Unterschied besteht darin, dass die ICD-10 Dissoziative Störungen und Konversionsstörungen unter einer gemeinsamen Kategorie F 44.x klassifiziert.

Neben den im DSM aufgeführten Störungsbildern "Dissoziative Amnesie", "Fugue", "Nicht näher bezeichnete und sonstige Dissoziative Störungen", unter die u.a. die DIS (in der ICD-10 nach wie vor als "Multiple Persönlichkeitsstörung" (MPS) bezeichnet) fällt, werden unter der Kategorie 44.x zusätzlich der "Dissoziative Stupor", "Trance- und Besessenheitszustände" sowie "Dissoziative Störungen der Bewegung und der Sinnesempfindung" kategorisiert. Diese finden sich im DSM als Konversionsstörungen unter der Rubrik "Somatoforme Störungen". Depersonalisationsstörungen werden im ICD-10 unter der Kategorie 48.1 als "Sonstige Neurotische Störungen" kategorisiert.


Die folgende Tabelle zeigt beide Klassifikationen im Überblick.

DSM-IV ICD-10
300.11 Konversionsstörung(klassifiziert als Somatoforme Störung) F44.4 Dissoziative Bewegungsstörungen
  F44.5 Dissoziative Krampfanfälle
  F44.6 Dissoziative Sensibilitäts- u.Empfindungsstörungen
  F44.7 Dissoziative Störungen(Konversionsstörungen), gemischt
   
300.12 Dissoziative Amnesie F44.0 Dissoziative Amnesie
300.13 Dissoziative Fugue F44.1 Dissoziative Fugue
  F44.2 Dissoziativer Stupor
  F44.3 Trance- u. Besessenheitszustände
   
  F44.8 Sonstige Dissoziative Störungen
  F44.80 Ganser-Syndrom
300.14 Dissoziative Identitätsstörung F44.81 Multiple Persönlichkeit (MPS)
  F44.88 Sonstige nicht näher bezeichneteDissoziative Störungen
   
300.15 Nicht näher bezeichnete Dissoziative Störung F44.9 Nicht näher bezeichnete Dissoziative Störung (Konversionsstörung)
   
300.60 Depersonalisationsstörung F48.1 Depersonalisations-/ Derealisationsstörung(klassifiziert als sonstige neurotische Störung)

Die derzeit gültigen Diagnosekriterien für dissoziative Störungen sind in der letzten Zeit zunehmend kritisiert worden, da sie zu ungenau und zu wenig alltagsnah beschreiben, woran das Vorliegen schwerer dissoziativer Symptome, insbesondere im Falle einer tiefgehenden dissoziativen Identitätsspaltung, konkret zu erkennen sei.

Der amerikanische Psychotherapeut und Forscher Paul Dell entwickelte daher einen Vorschlag für eine vollständige Neubearbeitung der Diagnosekriterien für dissoziative Störungen (Dell, P.F. (2001). Why the diagnostic criteria for dissociative identity disorder should be changed. Journal of Trauma and Dissociation 2, 7-37.).

Das Positionspapier von Dell dient als Diskussionsgrundlage für die Vorbereitung der fünften Ausgabe des DSM, die in den nächsten Jahren herauskommen wird und umfasst einen völlig neu bearbeiteten Kriterienkatalog sowie eine darauf aufbauende Neuklassifikation dissoziativer Störungen.

Für die Differentialdiagnostik besonders wichtige und häufige Störungsbilder sind je nach klinischem Erscheinungsbild z.B. die einfache und die komplexe Posttraumatische Belastungsstörung, die Borderline-Persönlichkeitsstörung (siehe Diagnosekriterien komplexer posttraumatischer Störungen) und in manchen Fällen auch Psychosen.

   
 
 
 
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