Diagnostik und Behandlung komplexer dissoziativer Störungen

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Das Heidelberger Dissoziations-Inventar (HDI)

Das Heidelberger Dissoziations-Inventar (HDI; Brunner et al., 1999) ist ein zweistufiges Verfahren zur Diagnostik Dissoziativer Störungen bei Jugendlichen und Erwachsenen. Zunächst wird anhand eines Screening-Bogens überprüft, ob die Befragten in auffälligem Maße über dissoziative Symptome berichten. Ist dies der Fall, wird ein diagnostisches Interview durchgeführt, auf dessen Basis die Diagnose einer Dissoziativen Störung nach DSM-IV bzw. ICD-10 gestellt werden kann.

Als Screening-Bogen kommt die "Skala dissoziativen Erlebens" zum Einsatz. Es liegen eine Version für Jugendliche (SDE-J, 28 Items) und eine für Erwachsene (SDE-E, 30 Items) vor. Diese Selbstbeurteilungsinstrumente sind Übersetzungen der Dissociative Experiences Scale (DES) für Erwachsene (Bernstein & Putnam, 1986) und der Adolescent Dissociative Expe-riences Scale (A-DES) für Jugendliche (Armstrong et al., 1997). Die Fragebögen wurden von Brunner et al. (1999) übersetzt. Dabei wurde die Skalierung gegenüber dem Original-DES geändert (10er-Skalierung anstatt der 100er-Skalierung aus dem Originalbogen), um die Beantwortung des Fragebogens zu erleichtern.

Das strukturierte klinische Interview ist das bisher einzige im deutschsprachigen Raum entwickelte diagnostische Interview für dissoziative Symptome und Störungen und dient der dimensionalen und kategorialen Erfassung der Symptomatik. Hierzu wurden die klinisch-diagnostischen Leitlinien der ICD-10 und die diagnostischen Kriterien des DSM-IV operationalisiert und als geschlossene Fragen formuliert. Somit ist eine direkte Zuordnung der Ergebnisse zu beiden Klassifikationssystemen möglich. Zusätzlich wurden Fragen aufgenommen, die weitere dissoziative Erlebnisaspekte und leichtere Formen dissoziativer Phänomene erfassen. Mit 77 Fragen werden folgende Störungen erfasst:

Im Interview wird zunächst jeweils überprüft, ob das fragliche Symptom vorliegt (ja / nein-Antwortschema; zeitlicher Bezugsrahmen: die letzten 6 Monate). Bei positiver Antwort wird die KlientIn gebeten, das Symptom detailliert zu beschreiben. Dauer und die Häufigkeit der Symptome werden eingeschätzt und es wird erfragt, ob das Symptom bevorzugt in Belastungssituationen auftritt. Die Durchführungszeit des Interviews beträgt nach Brunner et al. (1999) 40 - 60 Minuten.

Bei der Auswertung des Interviews erfolgt zunächst eine

  • Schweregradeinschätzung für jedes Symptom (0 = keine Symptomatik, 1 = mäßige Symptomatik; 2 = stark ausgeprägte Symptomatik).
  • Die Punktwerte der Fragen werden zu Summenscores für die verschiedenen Störungsbereiche aufaddiert. Anschließend werden die Summenscores zu einem Gesamtscore (HDI-Score) verrechnet.
  • Die Diagnosezuordnung kann mit Hilfe von Auswertungsbögen nach ICD-10 und/oder DSM-IV vorgenommen werden.

Sowohl der Screeningbogen als auch das Interview weisen eine gute Reliabilität und Validität auf (Brunner et al., 1999).


Veröffentlichungen und Bezugsquelle

Brunner, R.M., Resch, F., Parzer, P. & Koch, E. (1999). HDI. Heidelberger Dissoziations-Inventar. Instrument zur dimensionalen und kategorialen Erfassung dissoziativer Symptomatologie bei Jugendlichen und Erwachsenen. Frankfurt am Main: Swets.

Das Messinstrument kann über die Testzentrale des Hogrefe-Verlags erworben werden.

   
 
 
 
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