Diagnostik und Behandlung komplexer dissoziativer StörungenFachinformationen für TherapeutInnen, BeraterInnen und ÄrztInnen
home Multidimensional Inventory of Dissociation / Multidimensionales Inventar dissoziativer Symptome (MID)Sowohl Screeningskalen als auch diagnostische Interviews haben Vorteile, jedoch jeweils auch gravierende Nachteile. Screeningskalen können routinemäßig einfach und schnell im klinischen Alltag und/oder in der wissenschaftlichen Arbeit eingesetzt werden, erlauben aber nicht das Stellen einer Diagnose i.e.S. Dies ist mit diagnostischen Interviews sicher und reliabel möglich, allerdings um den Preis einer langen Durchführungs- und Auswertungszeit etc.. Das Multidimensional Inventory of Dissociation (MID) von Paul Dell (2000) versucht, die Vorteile beider Ansätze auf sich zu vereinen. Der MID ist als Selbstbeurteilungsfragebogen konzipiert und ähnlich wie Screening-Skalen im klinischen Alltag einfach und ohne großen Zeitaufwand einzusetzen. Gleichzeitig bietet er eine ähnlich umfassende Messung von Art und Häufigkeit dissoziativer Symptome wie diagnostische Interviews und erlaubt eine spezifische Diagnostik und Differentialdiagnostik komplexer Dissoziativer Störungen nach den von Paul Dell vorgeschlagenen neuen Diagnosekriterien für komplexe Dissoziative Störungen. Der Fragebogen umfasst 218 Items und erfasst das gesamte Spektrum klinisch relevanter dissoziativer Symptome, während dissoziative Alltagserfahrungen (z.B. Tagträume, Autobahn-Trance etc.) ausgespart werden. Um die Gefahr von Fehldiagnosen zu minimieren, wurden zusätzlich fünf Kontrollskalen konstruiert. Hierdurch besteht die Möglichkeit, Antworttendenzen wie z.B. Simulation oder Aufmerksamkeit suchendes Verhalten zu kontrollieren. Die Items geben typische Beispiele dissoziativer Symptome, die bei PatientInnen mit schweren dissoziativen Störungen häufig auftreten, vor. Die Befragten werden zu jedem Symptom gebeten, auf einer Rating-Skala einzuschätzen, wie häufig es bei ihnen auftritt (0 = nie, 10 = ständig). Um eine globale Aussage über das Ausmaß an dissoziativen Symptomen bei den Befragten zu erhalten, kann ein Gesamtscore (Mittelwert über die 218 Itemscores * 10) gebildet werden, der mit dem DES/FDS-Gesamtscore vergleichbar ist. Die Differentialdiagnostik nach den Dell-Kriterien basiert auf Cutoff-Werten:
In der Praxis erfolgt die sehr aufwendige Auswertung computerisiert. Der MID wurde von Dell in umfangreichen Studien empirisch geprüft und weist sehr gute Test-Güte-Kriterien auf. Für die klinische Praxis besonders relevant ist die Übereinstimmung von MID-Diagnosen mit abgesicherten klinischen Diagnosen. In einer Studie des Testautors (Dell, 2000) wurden die MID-Diagnosen von 34 DIS-PatientInnen mit dem Außenkriterium "sichere klinische Diagnose einer DIS" verglichen. Dabei fand sich in 31 Fällen (91%) eine Übereinstimmung der Diagnosen. In den verbleibenden drei Fällen wurde jeweils eine DDNOS diagnostiziert. An der Abteilung Klinische Psychiatrie und Psychotherapie der Medizinischen Hochschule Hannover wurde ab Herbst 2000 die deutsche Bearbeitung des Fragebogens, das "Multidimensionale Inventar dissoziativer Symptome" (MID) erstellt. Eine Pilotstudie und eine größere Valdierungsstudie mit dem deutschen MID erbrachten sehr gute erste Ergebnisse, allerdings ist die Validierung noch nicht abgeschlossen. Wichtige Veröffentlichungen zum MID
Bezugsquellen
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