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Diagnostik und Behandlung komplexer dissoziativer Störungen
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Behandlungsprognose bei DIS
Ohne eine adäquate psychotherapeutische Behandlung verlaufen komplexe Dissoziative Störungen chronisch. Die Folge sind oft wiederholte Hospitalisierungen ("Drehtür-PatientInnen") und dadurch bedingte hohe Kosten durch erfolglose Behandlungsversuche und erhebliches individuelles Leid für die Betroffenen. Viele PatientInnen sind ohne adäquate Behandlung aufgrund ihrer Symptomatik zumindest zeitweise erwerbsunfähig oder verlieren den Arbeitsplatz. Manche PatientInnen neigen ohne eine Aufarbeitung ihrer traumatischen Erfahrungen außerdem dazu, selbst zu TäterInnen zu werden.
Viele PatientInnen mit DIS bzw. DDNOS haben jedoch bei einer spezifischen psychotherapeutischen Behandlung nach dem oben dargestellten Schema eine gute Prognose. Viele PatientInnen können eine dauerhafte Integration der dissoziierten Persönlichkeitsanteile erreichen oder es kann bei einer fortbestehenden Fragmentierung der Gesamtpersönlichkeit eine gute Kooperation bei vollem Co-Bewusstsein der vorhandenen Anteile etabliert werden. Als wichtige Einflussfaktoren für den Behandlungserfolg gelten das Ausmaß der Persönlichkeitsspaltung, komorbide Persönlichkeitsstörungen und die soziale Anpassung der Betroffenen. In der Literatur werden i.a. drei Gruppen von PatientInnen unterscheiden:
- "High-functioning" DIS-PatientInnen mit geringer Begleitsymptomatik und relativ kurzer klinischer Vorgeschichte, die einen hohen Funktionsgrad in Bezug auf Alltagsbewältigung, soziale Integration, Arbeitsfähigkeit etc. aufweisen, wenig Persönlichkeitsstörungen zeigen und eine gute Prognose haben (schnelle und gradlinige klinische Fortschritte, kaum Hospitalisierungen, stabile Integration innerhalb von wenigen Behandlungs-Jahren möglich)
- DIS- PatientInnen mit breiter Begleitsymptomatik einschließlich Persönlichkeitsstörungen und mit bis zu ca. 15 identifizierbaren Persönlichkeitsanteilen, mit einer bereits wesentlich ungünstigeren Prognose (längere Behandlungsdauer, mehr stationäre Aufenthalte notwendig, stabile Integration kann jedoch erreicht werden)
- PatientInnen mit starker Fragmentierung der Persönlichkeit, langer klinischer Vorgeschichte und einem chronifizierten "dissoziativen Lebensstil" mit antisozialen Zügen. Häufig handelt es sich hierbei um PatientInnen, die nach wie vor in TäterInnen-Zusammenhänge verstrickt sind, mit denen zunächst hauptsächlich stabilisierend gearbeitet werden kann. In günstigen Fällen ist nach längerer Stabilisierungsbehandlung auch eine weiterführende Therapie möglich, wenn ein Ausstieg aus den Täterkreisen gelingt.
Auf jede dieser Gruppen entfallen ca. 33% der DIS-PatientInnen. Somit kann bei ca. 66% der Betroffenen von einer insgesamt günstigen Prognose ausgegangen werden. Bei diesen PatientInnen ist eine stabile Integration der Teilpersönlichkeiten oder zumindest eine deutliche Verbesserung des allgemeinen Funktionsniveaus möglich. Durch eine störungsspezifische Behandlung kann zudem eine deutliche Senkung der entstehenden direkten und indirekten Krankheits- und Behandlungskosten erreicht werden (siehe Therapie-Effektivität).
Literatur:
- Ross, C.A. & Dua, V. (1993). Psychiatric health care costs of multiple personality disorder. American Journal of Psychotherapy, 47, 103 - 112.
- Rivera, M. (1991). Multiple personality disorder and the social systems: 185 cases. Dissociation, 4, 79-82.
- van der Hart O., van der Kolk B.A., Boon, S. (1998). Treatment of Dissociative Disorders, In: J.D. Bremner & C.R. Marmar (Eds.); Trauma, Memory, and Dissociation. (pp. 253 - 283). Washington DC: American Psychiatric Press.
- Steele, K., van der Hart, O. & Nijenhuis, E.R.S. (2004). Phasenorientierte Behandlung komplexer dissoziativer Störungen: die Bewältigung traumatbezogener Phobien. In: A. Eckhardt-Henn & S.O. Hoffmann (Hrsg.); Dissoziative Bewusstseinsstörungen - Theorie, Symptomatik, Therapie (S. 343 - 354). Stuttgart: Schattauer.
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