Diagnostik und Behandlung komplexer dissoziativer Störungen

Fachinformationen für TherapeutInnen, BeraterInnen und ÄrztInnen


home
Wir über uns
Aktuelles aus der Arbeitsgruppe
Startseite TherapeutInnen
Formen dissoziativer Störungen
Diagnostik
Klinisches Erscheinungsbild
Behandlung
DIS-Kontroverse
Literatur
Links
Weiterbildung
Supervision / Intervision
Fachtagungen und Kongresse
Kontakt




Der Somatoform Dissociation Questionnaire (SDQ)

Während die meisten Screeningverfahren für dissoziative Störungen das Ausmaß an psychologisch-dissoziativen Symptomen messen, betreffen somatoform-dissoziative Symptome Körperfunktionen und die Körperwahrnehmung. Typische Beispiele sind motorische Beeinträchtigungen, intermittierende Schmerzsymptome, eine auffällige Schmerzunempfindlichkeit, wechselnde Geruchs- oder Geschmackspräferenzen etc. Zur spezifischen Erfassung der somatoform-dissoziativen Symptomatik konstruierten Nijenhuis et al. (1996, 1998) den Somatoform-Dissociation-Questionnaire, der in einer Langform mit 20 Items (SDQ-20) und einer Kurzform mit 5 Items (SDQ-5) vorliegt.

Die Items geben verschiedene Ausdrucksformen somatoformer Dissoziationen vor (für eine umfassende Darstellung des Konzeptes der somatoformen Dissoziation siehe Nijenhuis, 1999). Die Befragten geben jeweils auf einer 5er-Ratingskala an, in welchem Maße die Symptome bei ihnen innerhalb des letzten Jahres aufgetreten sind (Skalierung: 1 = überhaupt nicht, 5 = extrem). Außerdem wird bei jedem Item erfragt, ob für die Symptomatik eine körperliche Ursache bekannt ist. Für die Auswertung wird als SDQ-20-Gesamtwert die Summe der 20 Itemscores berechnet. Symptome, für die eine somatische Ursache bekannt ist, werden bei der Auswertung nicht berücksichtigt.

Um ein noch ökonomischeres Screening auf Dissoziative Symptome und Störungen zu ermöglichen, entwickelten die Autoren zusätzlich die aus nur fünf Items bestehenden Kurzversion SDQ-5 (Nijenhuis et al., 1997). Hierzu wurden über umfangreiche statistische Auswertungen die Items identifiziert, mit deren Hilfe eine optimale Differenzierung zwischen hoch-dissoziativen und nicht-dissoziativen PatientInnen möglich ist. Es resultierten fünf Items, die zum SDQ-5 zusammengefasst wurden.

Aufgrund widersprüchlicher Studienergebnisse mit dem SDQ-5 ist allerdings bislang nicht klar, ob die Form der differenzierenden somatoform-dissoziativen Symptome kulturabhängig ist. Daher erscheint es zumindest im Moment sinnvoller, mit dem SDQ-20 zu arbeiten, für den interkulturell übereinstimmend sehr gute Validierungsergebnisse vorliegen (für eine Übersicht zu Validierungsergebnissen siehe Webseite von Ellert Nijenhuis). Eine Validierung der deutschen Übersetzung des SDQ-20 steht derzeit noch aus.

Bei erhöhten SDQ-Werten wird eine weiterführende diagnostische Abklärung empfohlen.


Wichtige Veröffentlichungen zum SDQ-20

  • Nijenhuis , E.R.S., Spinhoven, P., Van Dyck, R., Van der Hart, O. & Vanderlinden, J. (1998). Psychometric characteristics of the Somatoform Dissociation Questionnaire: A replication study. Psychotherapy and Psychosomatics, 67, 17 - 23.
  • Nijenhuis, E.R.S. (1999). Somatoform dissociation - phenomena, measurement, and theoretical issues. Assen: Van Gorcum.
  • Nijenhuis, E.R.S., Spinhoven, P., Van Dyck, R., Van der Hart, O. & Vanderlinden, F. (1996). The development and psychometric characteristics of the Somatoform Dissociation Questionnaire (SDQ-20). Journal of Nervous and Mental Disease, 184, 688 - 694.
  • Nijenhuis, E.R.S., Spinhoven, P., Van Dyck, R., Van der Hart, O. & Vanderlinden, J. (1997). The development of the Somatoform Dissociation Questionnaire (SDQ-5) as a screening instrument for dissociative disorders. Acta Psychiatrica Scandinavica, 96, 311 - 318.

Bezugsquellen

Der SDQ-20 kann auf der Webseite von Ellert Nijenhuis in deutscher Übersetzung kostenlos heruntergeladen werden. Außerdem finden sich dort weitere Übersetzungen des Fragebogens sowie umfassende Informationen zur Validierung des Fragebogens.

Darüber hinaus ist der deutschsprachige SDQ-20 (Übersetzung Dr. Dipl.-Psych. Bettina Overkamp, Überarbeitung Dipl.-Psych. Michaela Huber) bei Huber, M. (2003). Trauma und die Folgen. Paderborn: Junfermann. abgedruckt.

   
 
 
 
  Hier finden Sie unser Feedback-Formular für Therapeuten
Impressum